
„Handlungsspielraum für alle“: Jakob Friedl will Regensburger OB werden
Einzelkämpfer
„Handlungsspielraum für alle“: Jakob Friedl will Regensburger OB werden
Seit Jahren setzt sich der Künstler Jakob Friedl dafür ein, jedem Bürger in Regensburg eine Mitgestaltung der Stadt zu ermöglichen. Jetzt kandidiert er als OB für die Ribisl-Partie.
Katharina Beer
Rund 400 Wahlplakate hat Jakob Friedl gemeinsam mit anderen für die Kommunalwahl gemalt. Mittlerweile finden sich viele davon in den Straßen Regensburgs wieder. Mit den bunten Plakaten wolle er auf ironische Weise ausdrücken, dass übliche Wahlslogans für ihn reine Werbekampagnen seien, sagt er.
Von Katharina Beer
18. Februar 2026 Stand: 17:48 Uhr
Ich habe so viel zu tun, dass ich an keinem Tag alles schaffe, was ich mir vorgenommen habe.“ Während er das sagt, steigt Jakob Friedl von seinem Lastenrad und stellt es vor dem „Kaufladen für Erwachsene“ ab. Den Nachbarschaftstreffpunkt in der Guerickestraße hat der OB-Kandidat der Ribisl-Partie vor vier Jahren ins Leben gerufen. Weit über 40 Stunden pro Woche verbringe er hier, sagt er. Der Kaufladen spiegelt wider, wofür er im Regensburger Stadtrat kämpft.
Nach seiner Ausbildung zum Holzbildhauer in Oberammergau studierte Friedl an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, mit dem Schwerpunkt Kunst im öffentlichen Raum. Aus Regensburg herausgekommen sei er aber nie wirklich, sagt der 46-Jährige. Hier geboren, wuchs er zunächst beim Ostentorbiergarten auf, wohnte unter anderem beim Ostpark und in Burgweinting, heute unweit des Neuen Rathauses.
„Kunst an kunstfernen Orten“ machen
Die Stadt sei der Raum, auf den er seine Ideen projiziere, sagt Friedl. Und die hätten sich schon immer um Gesellschaft, um den öffentlichen Raum gedreht. „Kunst an kunstfernen Orten“ nennt er das. Es gehe ihm dabei um mehr Handlungsspielraum für alle Bürger bei der Stadtgestaltung und darum, mehr selbstverwaltete soziale und kulturelle Treffpunkte zu schaffen. „Regensburg ist für mich nah genug, um das Gefühl zu haben: ,Da kann ich was verändern‘.“ Die Vorgaben der Stadt verhinderten das allerdings oft.
„Ich wollte an verschiedenen Stellen Johannisbeeren pflanzen – das Gartenamt hat es mir nicht erlaubt. Und in Burgweinting etwa sollte Kunst schon da sein, bevor neue Baugebiete überhaupt entstehen. Die Stadt bestimmt immer, wo, wann und wie man sich engagieren darf“, sagt Friedl. Würden Bäume vor einem Mietshaus gefällt, entscheide die Stadt darüber, es etwa nur zu zwei Dritteln auszugleichen. „Die Leute bezahlen das mit ihren Nebenkosten, werden aber nicht gefragt, wie sie es gerne hätten. Das ist eine Entmündigung der Bürger.“ Er finde, dass die Arbeit des Stadtrats weit weg von der Lebensrealität der Bürger liege und dass das der Grund für Politikverdrossenheit sei. „Die kann man nur überwinden, indem man den Leuten signalisiert, dass sie mitentscheiden dürfen und ihnen zeigt, wie das geht.“
Letztlich habe er deshalb vor rund sieben Jahren die Ribisl-Partie gegründet. In den Stadtrat wurde er dann bei der Kommunalwahl 2020 gewählt. Für Politik in Regensburg interessierte er sich aber schon lange vorher. Seine Eltern erzogen ihn politisch, engagierten sich auch selbst: Der Vater war in der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft aktiv. „Ich habe mich eher Richtung Kommunalpolitik orientiert, weil das für mich greifbar ist“, sagt Friedl.
Gerade der „Kaufladen für Erwachsene“ sei für ihn die Umsetzung einer greifbaren Politik, ein Projekt, mit dem er „an der Normalisierung von Handlungsspielräumen“ arbeite. Vor dem Haus zeigt er auf einen Grünstreifen mit Sträuchern. Unter anderem Pfefferminze und Salbei hat er dort gemeinsam mit anderen angepflanzt. Auch Menschen, die Sozialstunden abzuleisten haben, sind eingebunden. Wer auch immer mit der Gestaltung des Ortes unzufrieden sei, könne das einbringen, sagt Friedl. Seine Hoffnung sei, damit langfristig etwas am Umgang der Stadt mit Flächen ändern zu können. Damit ist es für Friedl aber nicht getan: Im Stadtrat verschaffe er sich außerdem „einen Überblick über alles, was beraten wird“, sagt er. Dabei stelle er auch Anträge an die Stadt – am Tag zuvor seien es sechs Stück gewesen. Momentan gehe es ihm unter anderem um den Bebauungsplan für das Areal am Sportpark Ost, wo er für weniger Zäune plädiere, um sozialen Zusammenhalt zu stärken. Er betont: „Einerseits ist das alles positiver Stress, andererseits eine Katastrophe.“
Große Pläne für die Arbeit im Stadtrat
Im Stadtrat hat Friedl für die nächste Zeit dennoch viel vor. „Ich möchte die Geschäftsordnung reformieren. Als Stadtrat erhält man in viele Dinge keinen oder späten Einblick. Das würde ich gerne ändern.“ Statt einem Koalitionsausschuss, bei dem nur die Vertreter der beteiligten Gruppen tagen, wolle er zudem einen „Kooperationsausschuss“ etablieren – mit denselben Statuten. „Er soll für alle Parteien offen sein und Referenten und Amtsleiter einladen können. Alle sollen darüber informiert werden, was auf die Tagesordnung gesetzt wird.“ Das Wort „Kooperationsausschuss“ sei auch auf jedem seiner rund 400 Wahlplakate zu lesen, sagt Friedl. Daneben finden sich noch jeweils der Spruch: „Lustiges Plakat, echte Politik“, und ein Verweis auf die Website „ribisl.org“. Alle anderen Slogans sind wild durchgemischt und ergeben wenig Sinn. Damit wolle er auf ironische Weise ausdrücken, dass Wahlplakate für ihn „generell nichts anderes als eine Werbekampagne“ seien, so Friedl. „Typische Wahlslogans kann ich nicht ernst nehmen. Ich will keine Versprechungen machen, sondern dass die Leute sich selbst ein Bild machen.“ Deshalb sei die gesamte Arbeit der Ribisl-Partie im Stadtrat transparent auf der Website dokumentiert.
Im Kaufladen sind mittlerweile einige Leute eingetroffen. Eine Frau fragt Friedl, was er für heute noch geplant habe. „Wahrscheinlich wieder Büroarbeit!“, antwortet er – vielleicht in der Hoffnung, sein Tagespensum diesmal zu schaffen.
:::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

Artikel von Rainer Wendl in der MZ, 09.01.2026





