Relight 2024

Zur Festivalseite: https://relight-regensburg.de/

Beschlussvorlage für ein Lichtkunstfestival 2023: https://ribisl.org/wp-content/uploads/2024/05/07_2023_Kulturausschuss_Lichtkunstfestival_VO_23_20295_41.pdf Präsentation: https://ribisl.org/wp-content/uploads/2024/05/PDFPraesentation.pdf

Mitgliedschaft in der Light-Festivals-Organisation März 2023: https://ribisl.org/wp-content/uploads/2024/05/LightFestivals_Organisation_15_03_2023_VO_23_19925_41.pdf

Redebeiträge für den Kulturausschuss am 08.05.2024 um 15 Uhr, den ich leider verpasst habe… (war noch im Vorgartenamt, kam wie gewohnt erst um 16 Uhr…)

Relight. Man kann davon halten was man will. Ich möchte meinen wohlmeinenden Nachfragen vorausschieben: „Noch leben wir in einem demokratischen Staat. Zum Glück kann jeder selbst entscheiden, ob er hingeht oder nicht.“

Kulturausschuss, Finanzausschuss und Stadtrat sollen die biennale Ausführung des Festivals beschließen. Die Beschlussvorlage zeichnet ein rundum positives Bild des Festivals in dem nach der ersten Ausgabe alle inhaltlichen und monetären Erwartungen übertroffen wurden und den vielschichtigen Zugängen und Ansprüchen der Kunst vollumfänglich genüge getan wurde. Regensburg spielt schon jetzt endgültig in der Liga der internationalen Lichtkunst ganz weit vorne. Ich habe mir in der mit elaborierten Begriffen gespickten Vorlage jedes zweite Wort schmunzelnd angestrichen. Wurde hier eine künstliche Intelligenz genutzt oder eine Cloud der wichtigsten Buzzwords und Relevanzattrappen herangezogen oder einfach nur eine Agentur?

Relight bezeichnet sich als Lichtkunstfestival. Ziel des Festivals ist es im Vorfrühling Regensburger und Auswärtige in die Regensburger Altstadt zu locken und die touristische Marke Regensburg noch bekannter zu machen. Dieses Ziel konnte definitiv erreicht werden: Die Ankündigungskampagne erreichte ähnlich viele Leute wie die Dult. Die Leute strömten in den dunklen Abendstunden in die Altstadt und offenbar wurde vor und während dem Festival in den Medien viel berichtet, bzw. geworben. „Auch die internationale Lichtkunstscene folgte der Einladung nach Regensburg und zeigte sich beeindruckt von der professionellen Qualität der ersten Festivalausgabe. „

Auch wenn beim ersten mal Relight noch keine signifikate Steigerung der Übernachtungszahlen in den Altstadthotels festgestellt werden konnte, so ist es durchaus vorstellbar, dass in Zukunft auch Übernachtungstourismus angezogen werden kann.

Der in der Vorlage skizzierten bzw. in Aussicht gestellten Umwegerentabilitätsbilanz stehe ich grundsätzlich skeptisch gegenüber: Irgendwo geben die Leute ihr Geld doch immer auch. Vielleicht können Sie die in den Raum gestellten Zahlen und ihre Bedeutung etwas erklären. Wieviel Geld bleibt hier dann auf welchen Wegen wo in Regensburg hängen? Ich bitte darum und dies zu erklären.

Eine erneute Förderung des Festivals durch den bayerischen Staat ist 2026 grundsätzlich, jedoch auch letztmalig möglich.

In Zukunft will man stärker auf Sponsoring durch Firmen setzen.

Ich halte dies für genau den falschen Weg. Öffentlich geförderte Kunst und Kultur sollte von den Image- und Werbeinteressen große Firmen und Konzerne, wie z.B. BMW, vollkommen unbehelligt bleiben. Werbung für klima- und gesellschaftschädliche Produkte ist in der Regel oft mit faktenwidrigem Greenwashing verbunden. Ich möchte nicht, dass die regensburger Altstadt, sowie die lebendige Kulturszene und die Stadtgesellschaft zur Kulisse für ökologisch angeblich innovative SUV Technologie wird.

Selbstverständlich nimmt Sponsoring auch Einfluß auf den inhaltlichen Rahmen und die Entwicklungsmöglichkeiten der Kunst. Vielleicht nicht direkt aber systemisch und wahrnehm- und spürbar für jeden nicht nur kreativen sondern auch kritischen Geist. Eine künstlerische Arbeit ist kein Sportwagen. Witzige Appropiation ist etwas anderes Schleichwerbung.

Ein wichtiges Thema gewinnt hier deutlich an Relevanz: Wir brauchen weniger Wachstum und mehr Qualität. Meiner Meinung nach sollte man sich an dieser Stelle eher Gedanken darüber machen, wie ein Kunstfestival mit weniger Materialeinsatz und mehr Partizipations-, Mitwirkungs und Selbstorganisationmöglichkeiten für die ansäßige und ebenfalls gut vernetzte Kunstszene durchgeführt werden kann. Es sollte im Sinne der Kunst viel stärker auf die Expertise, die Leidenschaft und die überregionale und internationale Vernetzung der regensburger Kunstscene und Wissen aus der Stadtgesellschaft gesetzt werden als auf austauschbares Kuratieren „von oben“.

Beispielhaft ein Vorschlag von mir: Beim nächsten mal stellt man z.B. vor das Haus der Bayern 3 selbstgebastelte Installationen aus Diabrojektoren mit Blende einem Ventilator einem flatternden Fetzen Papier oder einem Mobile davor. Für großflächig Aufmerksamkeit generierende Lichteffekte und die Inszenierung monumentaler Architektur ist das, orgineller, verblüffender, witziger, reflektierter, vor allem effezienter: Bei der Technik bliebe weniger Geld hängen bei den Künstler*innen mehr.

Die Aufmerksamkeit könnte so auf kleinere selbstgewählte, ortsspezifisch und thematisch spezielleren Installationen gelenkt werden, die dann ebenfalls mit weniger Technik auskommen können.

Der Rahmen für Lichtkunst sollte nicht auf festgelegte Orte mit festgelegter Technik verengt werden.

Es folgen noch ein paar Fragen, die ich in meiner 2. Wortmeldung unterbringen werde.

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Das bringt mich zu ein paar weiteren Fragen:

  • Wieviel Geld wurde bei den 15 Installationen jeweils für Technik ausgegeben, wieviel Geld blieb jeweils bei den Künstler*innen hängen? Können Sie uns das bitte aufschlüsseln oder nachreichen?
  • Wieviel Vorbereitungszeit hatten die Künstler*innen für die ortsspezifische Realisierung / Anpassung Ihrer Arbeiten?
  • Inwiefern fand eine Unterstützung der auswärtigen Künstler*innen bei der Themenfindung statt?
  • Werden sich in Zukunft Künstler*innen auch mit eigenen Konzepten auf selbstgewählte Orte bewerben können?
  • Wird das Relight Festival auch in Zukunft fast ausschließlich aus dem Pool der Lightsart Association bedient?
  • Wird das Festival auch bei der nächsten Ausgabe durch die Agentur „Gral“ organsiert?
  • Wieviel Geld erhielt Gral bis jetzt bisher für seine Leistungen von der Stadt Regensburg?
  • Engagagiert sich Gral auch bei anderen Festivals der Association der Lichtkunststädte?
  • Haben andere Städte, die schon länger vergleichbare Lichtkunstfeste organisieren, für die örtliche Scene offenere und selbstorgansierte Formate zur Konzeption und dem Kurratieren etabliert? Die Einbindung der örtlichen, regional und international vernetzten Scene bei der Konzeption sollte in Zukunft Grundlage für die Organisation sein.

Ich entnehme der Vorlage:

„Die systematische Kooperation und Integration lokaler wie regionaler Akteuere konnte als wegweisendes Alleinstellungsmerkmal des Festivals platziert werden. “ Meiner Meinung nach ist hier noch Luft nach oben! Von einem Alleinstellungsmerkmal zu sprechen ist hier wohl hoffentlich unangebracht. Die Absicht lokale Akteuere weiter und verstärkt einzubinden ist hingegen sehr zu befürworten.

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Einige der künstlerisch anspruchsvolleren Arbeiten und Shows waren mit Eintrittsgeldern belegt und trotzdem fast ausverkauft.

Galt der Stadtpass mit dem Einkommenschwache 50 % Eintritts-Ermäßigung erhalten für die Veranstaltungen mit Eintritt?

Um allen – auch abgesehen und unabhängig der finanziellen Situation oder der Vorbildung und Prägung- im Rahmen des Festivals einen niederschwelligeren Zugang zu Kunst zu ermöglichen sollte konsequent für alle Events und Installationen freier Eintritt realisiert werden. So könnte die Breitenwirkung des Festivals weiter gesteigert und auch ein kultureller Bildungsauftrag besser erfüllt werden.

Aufgrund der begrenzten Besucherzahl kann man sich überlegen mit Platzreservierungen zu arbeiten. Das erhöht die Planbarkeit. Im Falle einer erhöhten Nachfrage können die Installationen gegebenfalls auch noch um eine oder zwei Wochen verlängert werden.

Meine durchaus kritschen Anmerkungen entspringen nicht nur meinem Kopf, sondern sind Common Sence in meinem Bekanntenkreis aus Künstlern und Kulturschaffenden und Interessierten

Ich würde mich daher sehr freuen, wenn Sie meine Anregungen konstruktiv aufnehmen. Ich wünsche mir einen Zwischenbericht zur konzeptuellen Vorbereitung des nächsten Festivals in spätestens einem Jahr.

🙂